Wer ist Chemnitz?
Ehemals
Karl-Marx-Stadt und mit 242.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Sachsens: Chemnitz, gelegen am gleichnamigen Fluss, hat einiges zu bieten - und ist jetzt, Gastgeber von ProChrist. Eindrücke von Rolf Ivandic.
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Bericht: Evangelisches Schulzentrum Chemnitz
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Chemnitz: Ein Portrait
Ein Beitrag von Regina König
Unverdrossen schweift sein Blick in die Ferne. Den Straßenverkehr rings um ihn herum scheint er zu ignorieren. Auch die Tatsache, dass kaum noch Trabis und Wartburgs seinen Weg kreuzen. Karl Marx, überdimensional groß in Stein gehauen – seine Büste mitten in Chemnitz zeugt von vergangenen Zeiten. Nach ihm, dem kommunistischen Vordenker, wurde Chemnitz 1953 umbenannt in Karl-Marx-Stadt.
Als Denkmal taugt der von den Sachsen genannte “Nischel“ zwar noch was - immerhin gilt das Monument als zweitgrößte freistehende Büste der Welt - aber weder sein Name noch sein politisches Programm haben sich bewährt: die friedliche Revolution 1989 machte Schluss mit der SED-Diktatur, und schon 1990 entschieden die Bürger: wir wollen wieder in Chemnitz leben.
Das sächsische Manchester
Chemnitz, mit 240 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Sachsen, wurde im zwölften Jahrhundert gegründet. Architektonisch gesehen sicher nicht die schönste Stadt, aber eine Stadt mit ehrgeizigen und findigen Bürgern. Um 1900 gab es hier sechsmal so viele Patentanmeldungen wie im Rest des Landes. Die erste Werkzeugmaschinenfabrik entstand hier und bis zum Ende des 2. Weltkriegs war die Stadt der wichtigste Maschinenbaustandort in Deutschland. Vom sächsischen Manchester wurde gesprochen.
Auch die Arbeiterbewegung war hier verwurzelt. Chemnitz sollte zu DDR-Zeiten zu einer sozialistischen Vorzeigestadt umgebaut werden. Das große Plattenbaugebiet im Süden zeugt von diesen Plänen. Heute stehen allerdings viele Wohnungen leer, denn Chemnitz hat seit der Wende mehr als 20% seiner Einwohner verloren.
Atheistisch - und doch ein geistliches Zentrum
Von der SED-Diktatur zeugen aber nicht nur den „Nischel“ und vereinsamte Plattenbauten, sondern auch die atheistische Prägung. Rund 80% der Chemnitzer gehören keiner Kirche an. Trotzdem gilt Chemnitz im Osten als geistliches Zentrum. Jahrzehnte wirkte in dieser Stadt der bekannte Evangelist Theo Lehmann. Viele junge Menschen sind in den letzten 40 Jahren aus dem Raum Chemnitz in den kirchlichen Dienst gegangen, sind heute aktiv in Kirchenvorständen und Gemeindegruppen.
Chemnitz ist auch der Sitz des sächsischen Gemeinschaftsverbandes, einer der größten Gnadauer Mitgliedsverbände Deutschlands. Die Heilsarmee arbeitet in Chemnitz seit Anfang der 90er Jahren und verschiedene kleine freikirchliche evangelische Gemeinden gibt es.
Ein nachdenklicher Marx
Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist auch das Jugendzentrum „Die Arche“. Im Jahr 2007 wurde das Projekt mit dem „Werte-Award“ der Neues-Leben-Stiftung ausgezeichnet. Sie alle unterstützen Pro Christ; so konnte die Region 1000 Ehrenamtliche für die größte Evangelisation Europas mobilisieren.
Am Nischel, der Karl-Marx-Büste, braust derweil der Verkehr weiter entlang und der Blick des Alt-Revolutionärs schweift immer noch ernst und nachdenklich über die Stadt. Die will heute allerdings „Stadt der Moderne“ sein und nicht „von gestern“. Vielleicht ist sie ja gerade deshalb zum Gastgeber geworden von Pro Christ 2009.